Recht und DSGVO7 Min Lesezeit

Kennzeichnung von KI-Inhalten, Pflicht und Best Practice

Redaktion brandneo

Ab 2. August 2026 gilt eine EU-weite Pflicht zur Kennzeichnung bestimmter KI-Inhalte. Was vorher Best Practice war, wird Compliance. Drei Bereiche sind dabei zentral: synthetische Inhalte allgemein, Deepfakes mit echten Personen oder Ereignissen, Chatbots.

Drei Kennzeichnungs-Ebenen

Ebene 1: Maschinenlesbare Kennzeichnung (Anbieter-Pflicht). Anbieter müssen ihre Outputs maschinenlesbar markieren, über Wasserzeichen (Google SynthID, OpenAI Provenance Watermark) oder Metadaten-Standards wie C2PA Content Credentials.

Ebene 2: Sichtbare Kennzeichnung am Asset (Anwender-Pflicht). „Mit KI erstellt", „AI-generated", „Synthetic content". Pflicht für Deepfakes mit echten Personen.

Ebene 3: Kontext-Kennzeichnung (Best Practice). Information darüber, wie das KI-Asset entstanden ist.

Was Pflicht wird ab 2. August 2026

Deepfakes deutlich kennzeichnen. KI-generierte Bilder, Videos oder Audios, die echte Personen, Orte oder Ereignisse imitieren, müssen sichtbar als KI-generiert gekennzeichnet sein.

Chatbots als solche markieren. Nutzer:innen müssen erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen.

Anbieter-Wasserzeichen nicht entfernen. Wer KI-Outputs so bearbeitet, dass technische Provenance-Marker verloren gehen, verstößt gegen die Verordnung.

Best Practice (nicht Pflicht)

Reine KI-Visuals ohne Bezug zu echten Personen. Ein KI-generiertes Produkt-Hero-Bild für einen Kopfhörer muss nicht zwingend gekennzeichnet werden. Marken wie Mattel, IKEA und Adobe kennzeichnen seit 2025 freiwillig.

Hybrid-Assets. KI-augmented Texte oder Bilder mit substantieller menschlicher Bearbeitung. Best Practice: dezenter Hinweis im Asset oder im umgebenden Kontext.

KI-augmented Reportings. Best Practice: Hinweis im Reporting-Vorwort.

Vier Style-Vorlagen

Vorlage 1: Bild und Video mit klarer KI-Generierung

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Mit KI erstellt | [Anbieter, z.B. Midjourney]

Vorlage 2: Deepfake (Pflicht)

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Synthetisch generiert. Diese Darstellung zeigt eine
KI-generierte Person/Stimme/Szene und ist kein
authentischer Mitschnitt.

Vorlage 3: Chatbot-Hinweis

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Hallo, ich bin Lena, der KI-Assistent von [Marke].
Was kann ich für dich tun?

Vorlage 4: KI-augmented Editorial

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Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung
von KI recherchiert und entworfen. Redaktion und
finale Verantwortung: [Name].

Workflow-Integration

  1. 01Asset-Workflow-Audit. Welche KI-Assets entstehen im Team, mit welchem Anbieter, in welcher Frequenz?
  2. 02Anbieter-Vereinbarung prüfen. Welche setzen automatische Wasserzeichen (SynthID, C2PA, Provenance)?
  3. 03Sichtbare Kennzeichnung als Pflichtfeld im DAM (Digital Asset Management).
  4. 04Style-Guide für Kennzeichnung im Layout vom Brand-Designer einmal definieren.

Take

Kennzeichnung ist nicht der Stör­faktor in der Asset-Produktion, sondern ein Brand-Element. Marken, die freiwillig und gut gestaltet kennzeichnen, gewinnen Vertrauen einer zunehmend skeptischen Zielgruppe.

Was offen bleibt

Wie nationale Aufsichts­behörden die Pflicht durchsetzen, ist 2026 noch nicht klar. Erwartete Schwerpunkte: politische Werbung, Deepfakes mit Personen des öffentlichen Lebens, Chatbots in Verbraucher­schnittstellen.

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